Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Medizinische Prävention im Betrieb

Wir bieten Ihnen eine Vorsorgeuntersuchung im Betrieb an:                                                                

Durch Vermessung der Ablagerungen (Atherosklerose) in der Halsschlagader mit Ultraschall können Männer und Frauen mit einem hohen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall frühzeitig entdeckt und behandelt werden.

Warum Prävention?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Männern die häufigste, bei Frauen die dritthäufigste Todesursache vor dem 65. Lebensjahr. Die Ursachen der Erkrankung sind entzündliche Cholesterinablagerungen (Plaques) in den Arterien (Atherosklerose), die man mit einem hochauflösenden Ultraschall an der Halsschlagader vermessen kann. In mehreren Plaquestudien konnte der Zusammenhang zwischen hoher Plaquelast und erhöhtem Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko durch Messung der Plaquefäche (total plaque area, TPA) belegt werden. 

Die Atherosklerose kann  früh im Leben ab dem 20. Lebensjahr beginnen und bleibt häufig bis zum Spätstadium mit den klinischen Ereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris und Durchblutungsstörungen in den Beinen unentdeckt. Es ist daher wichtig die Atherosklerose in einem früheren Stadium zu diagnostizieren und zu behandeln. Risikofaktoren wie Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Zuckererkrankung, erbliche Faktoren, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung können zu einem vorzeitigen Beginn und schellen Verlauf der Erkrankung führen. Unter Krankheitsverlauf finden Sie eine Graphik zum Zusammenhang von Rauchen und Atherosklerose.

Wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird, kann sie gut behandelt werden. Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegt haben, dass sich Plaques sowohl in der Halsschlagader, als auch in den Herzkranzgefäßen unter der Behandlung mit einem Cholesterinsenker wieder verkleinern können. Die Arbeiten finden Sie bei den Links. Unter Krankheitsverlauf finden Sie beispielhaft Bilder dazu.

Über 50% aller Herzinfarkte entstehen ohne vorherige Warnzeichen, da Plaque einreißt und die Ader durch ein sich an dieser Stelle bildendes Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossen wird. Da die Durchblutung vorher nicht wesentlich behindert war, lagen keine Beschwerden vor.

Was ist der Arterien-Ultraschall?

Mit dem Ultraschall wird die Menge der Atherosklerose gemessen. Zusätzlich wird die Dicke der inneren- und mittleren Arterienwand (Intima-media-Dicke, IMT-Messung) bestimmt. Der Vergleich beider Untersuchungsmethoden zeigt, dass die IMT-Messung  für eine Risikostratifizierung wenig geeignet ist, da damit keine gute Aussage für zukünftige Ereignisse und die aktuelle Beschaffenheit der Herzgefäße gemacht werden kann. Dies konnte durch mehrere wissenschaftliche Studien belegt werden. Die Bestimmung der Plaquelast ist zwar aufwendiger in der Durchführung,  dafür aber in der Vorhersage erheblich besser (siehe auch ROC-Analyse unter Krankheitsverlauf). In den neuen europäischen Leitlinien zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen wird daher die IMT-Messung (endlich) nicht mehr empfohlen.

Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzlos, ohne Nebenwirkungen und wird in bequemer Position im Liegen durchgeführt.

Für wen ist die Untersuchung sinnvoll?

Die Untersuchung ist sinnvoll für Männer und Frauen ab dem 35. Lebensjahr, da schon ab diesem Alter Menschen mit einer deutlich fortgeschrittenen Erkrankung gefunden werden. Die Untersuchung kann im Betrieb durchgeführt werden, wobei jeder über seine Risiken eingehend aufgeklärt und  beraten wird, wie man sein zukünftiges Risiko reduzieren kann. Über 40% aller Todesfälle im mittleren Erwachsenenalter (18-64 Jahre) werden durch verhaltensbezogene Risikofaktoren (VBR) wie Rauchen, riskanter Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel verursacht. Jeder erhält einen ausführlichen Untersuchungsbefund.  

Bisher wurden in den letzten 10 Jahren über 8200 Erstuntersuchungen und über 5200 Nachuntersuchungen durchgeführt.  

Ist die Untersuchungsmethode des Arterienscans valide? Wie sieht der Vergleich zu anderen Methoden aus?

Von 178 bisher eingetretenen Erkrankungen (44 Herzinfarkte, 18 Bypass-Operationen, 32 Stent-Implantationen, 71 Koronarstenosen und 13 Schlaganfälle) wurden alle bis auf 24 vorhergesagt (154 Patienten hatten in der Erstuntersuchung einen Typ III- oder IV b-Befund im Ultraschall). In zwei durchgeführten Studien konnten 78 der 154 Patienten frühzeitig entdeckt und behandelt werden (6 Bypass-Operationen, 14 Stent-Implantationen, 58 Koronarstenosen).

Die Untersuchungsmethode wurde wissenschaftlich validiert, indem 500 Patienten (Alter 27-88 Jahre) vor einer geplanten Herzkatheteruntersuchung verblindet untersucht wurden. Patienten, die eine stenosierende koronare Herzerkrankung haben, wurden zu 87 % richtig vorhergesagt. Übertragen auf die gesunden Männer und Frauen (Alter 35-65 Jahre) erfüllen 11,2% der Männer und 3,4% der Frauen die Kriterien für das Vorliegen einer Koronarstenose. Im Ultrschall der Halsschlagader entspricht das einem Typ III oder IV b Befund (siehe Klassifikation). In der Graphik unten sehen Sie die Altersverteilung der Männer und Frauen mit diesem Befund und die altersbezogene Herzinfarktinzidenz von 7435 Männern nach 10 Jahren (Daten der PROCAM-Studie, Prof. Assmann, Münster). Die Untersuchungen zeigten auch, dass die Plaquelast (TPA) und die maximale Plaquedicke an der Halsschlagader mit dem Stenosegrad und der Anzahl der betroffenen Koronargefäße statistisch signifikant korrelieren (siehe Graphiken unter Krankheitsverlauf).

Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko kann auch mit Risikoscores wie z.B. dem PROCAM-Score bestimmt werden. Die Scores berücksichtigen Alter, Geschlecht und die klassischen Risikofaktoren, aber nicht das Ausmaß der eigentlichen Erkrankung: die Atherosklerose. Die Scores unterscheiden ein niedriges, mittleres und hohes Risiko. Die Nachbeobachtung in der PROCAM-Studie über 10 Jahre zeigte allerdings, dass sich ca. 42 % der eingetretenen Herzinfarkte in der Gruppe mit niedrigem Risiko und ca. 25% in der Gruppe mit mittlerem Risiko ereigneten. Eine Erklärung für die eingeschränkte Vorhersage könnte sein, dass z.B. der PROCAM-Score die Atherosklerose  nicht gut abbildet. Von den 11,2 % der Männer mit einer weit fortgeschrittenen Atherosklerose haben 47% ein niedriges und 33% ein mittleres PROCAM-Risiko. Bei den Frauen haben sogar 85 % ein niedriges und 11% ein mittleres PROCAM-Risiko.


                                                Beispiel für Diskrepanz in der Risikoabschätzung zwischen Karotisultraschall und PROCAM-Score



Von den bisher 178 eingetretenen Erkrankungen kommen 40,1 % aus der Gruppe mit einem niedrigen PROCAM-Risiko, 34 % aus dem mittleren Risiko und nur 25,9 % aus der Gruppe mit einem hohen PROCAM-Risiko (siehe auch ROC-Analyse unter Krankheitsverlauf).

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden mehrfach in wissenschaftlichen Journals publiziert.

Hypothese für die Befundinterpretation nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen

In der Altersgruppe 27-65 Jahre wurden Koronarstenosen ≥ 50% bei den Patienten im Krankenhaus n= 244 mit einer Sensitivität von 83% richtig vorhergesagt.

Geht man von einer richtigen Vorhersage der erkrankten Männer im gesunden Kollektiv von 80% bei einer unterstellten Prävalenz (Erkrankte Männer ohne Symptome) der koronaren Herzerkrankung von 5% aus, errechnet sich ein negativer Vorhersagewert NPV für die Untersuchung der Halsschlagader von 99%. Das bedeutet, dass eine signifikante Koronarstenose zu 99% ausgeschlossen werden kann, wenn im Ultraschall kein Typ III- oder IV b-Befund vorliegt.


 

 

 



                                       Prävalenz Typ III. IV b-Befund nach Altersgruppen und Geschlecht und Infarktinzidenz bei 7435 Männern nach 10 Jahren (PROCAM-Studie)



                            

Wie kann ich einen Termin vereinbaren?

Für Fragen zu dieser Vorsorgeuntersuchung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie erreichen mich telefonisch unter 0261/ 1334297